Hier entsteht das Transskript der Ausgabe des Philosophischen Quartetts (ZDF) vom 1. Oktober 2007. Zu Gast war u.a. Otto Schily.

Bitte helft Tipp- und Rechtschreibfehler zu korrigieren. Das Transkript wird fortwährend verlängert, der Anfang kommt nach.

Falls es seitens der Urheber besondere Schutzinteressen an dieser Diskussion gibt, die über die Nennung der Autorenschaft, die nicht Gestattung von kommerzieller Nutzung und Veränderung des Wortlautes hinausgehen, so bittet der Herr Matthias Mehldau (aka Wetterfrosch) um umgehende Meldung und richtet schon an dieser Stelle aus, dass wir ein starkes Interesse an einem einvernehmlichem Vorgehen haben. Diese Seite dient erstmal als "Werkstatt" für tipp- und korrigierfreudige HelferInnen aus unserem Umfeld.

(Es handelt sich hierbei noch nicht um sowas wie ein Zitat, da noch alles im Arbeitsstadium ist und etwa nicht alle Stichworte (korrekt) zugordnet sind. Hilf mit, geht schneller.)

Wortgenaue Mitschrift (Bitte diese Unterabschnitte korrigieren!)

Ab Minute 8 oder so.

Bitte korrigiert alles - aber nicht den Satzbau und die Formulierungen - also auch keine doppelte Wörter, falsche Satzanfänge o.ä..

Das kommt dann im nächsten Schritt, in die redigierte Version 2.0

Also:

  • Interpunktion, Absaetze.
  • Tipp- und Rechtschreibfehler
  • Gross- und Kleinschreibung.

Hier gibt es fuer 15 MB die Audiospur als OGG: http://wetter.cdn.as250.net/wetter/audio/Philosophisches_Quartett_2007-09-30.23.55_zdf.ogg

Beteiligte:

  • sc.: Otto Schily
  • sl.: Peter Sloterdijk
  • me.: Frank A. Meyer
  • sf.: Rüdiger Safranski


Einstieg

Sc.: ... müssen sorgfältig ??wägen??. Wir haben immer eine Stufung gehabt. Wir haben immer gesagt, es gibt Erkenntnisse, die sind für die Sicherheitsbehörden notwendig, und müssen auch dort bei den Sicherheitsbehörden hinterlegt sein, damit sie darauf reagieren können. Dann gibt es Erkenntnisse der Gefahrenbeurteilung, der Gefahrenanalysen, die sind für eine bestimmte Branche von Bedeutung. Wir hatten mal eine Drohung, die sehr konkret war für den Fährverkehr. Da haben wir die Fährunternehmen informiert. Und da[nn??] gibt es auch Erkenntnisse, die muss man der Öffentlichkeit mitteilen. Also ich glaube, diese Stufung ist wichtig, weil man immer sich die Fragen stellen muss, macht eine Warnung oder Aussage Sinn, und wie können die Menschen darauf reagieren oder wie nicht reagieren.

Sl.: Bei dieser Zuspitzung über die Herr G... eben den Satz des Innenministers zitiert hat, wäre das ja ein klassisches Beispiel für das, was [man] in der systemischen Therapie eine schizophrene Äußerung nennt, die von dem Typus ist: "Verdammt, aber sei doch mal spontan" oder "Wenn du nicht spontan bist, kriegst du eine Ohrfeige und wenn ihr euch nicht [???]"

Schily: Dilemma des Innenministers

sc.: Herr Sloterdijk, wenn ich Sie mal unterbrechen darf, sehen Sie mal, Sie müssen das Dilemma auch sehen in der Politik. Auch wer so ein verantwortliches Amt hat, wie Herr Schäuble [es] jetzt hat ... ja, ich will Ihnen ja nur grad' sagen: Das Dilemma besteht darin; sagt er nichts, also behält er seine Erkenntnise für sich, dann wird man später sagen, "Du hättest uns ja warnen müssen,", ja? [Und] wenn er eine Aussage macht, dann kriegt er den Vorwurf, [es] ist Panikmache.

Also man muss auch die Schwierigkeiten sehen, in denen man sich befinden, wenn man ein solches Amt wahrnimmt.

Allgemeine Theorie des Innenministers

.? Wir wollen ja, wenn man ihre Funktion wahrnimmt, um von ihrer Anwesenheit zu profitieren, um so etwas wie eine allgemeine Theorie des Innenministers hier zu entwickeln.

sc. Soweit gehe ich nicht. Ich bin ein Mann der Praxis und Sie sind ein Mann der Theorie.

Schweiz - Zauberberg der Demokratie?

Sl.: Herr Meyer, wenn Sie sozusagen von diesem schweizer Zauberberg der Demokratie hinunterschauen in das deutsche Flachland ... in diese Niederungen der westlichen Demokratie: Wohin treibt die Bundesrepublik, wohin sind die westlichen Demokratien insgesamt unterwegs? Kann man das mit einem kurzen Statement umreißen?

Me.: Ja, ich glaube, ich kann anknüpfen bei dem, was Schäuble gesagt hat und seinen Vorgänger in Schutz genommen hat, Herr Schily, das verstehe ich ja auch, aber im Grunde genommen muss man sich ja fragen, cui bono bei dieser Aussage, die Aussage ist uralt, das weiss man, die Aussage ist irgendwie, kommen Sie an dieses schmutzige Material und können was machen. Die Aussage hat ein Ziel, [nämlich] Politik damit zu machen. Und damit bin ich bei Ihrer Frage, Herr Sloterdijk, es wird Politik mit Angst gemacht. Die Angst wird zu einem Instrument in der Demokratie. Das ist eigentlich neu. Das ist eigentlich neu, weil Angst war immer ein Instrument in autoritären Systemen. Neuerdings wird Angst allerdings ein Instrument in der Demokratie. Ein Kontaminisierungsinstrument, mit dem ich dann sage, ich bin trotzdem gegen gewisse Gesetzesveränderungen, ich bin trotz dieser Aussage von Herrn Schäuble gegen Einschränkungen des Freiheitsbereiches. Dann bin ich im Vorraus erstmal Mitschuldiger, wenn was passiert.

Das ist eine ganz große psychologische Problematik, die wir heute in der offenen Gesellschaft haben. Ich kann das so sagen, nicht weil wir Schweizer das so - wunderbar gesagt, find ich ja toll, fühl ich mich geschmeichelt, von diesem Berg, dem Jerusalem der Demokratie - so ist es ja nicht. Aber wir sind nicht so alarmistisch. Das kann ich für uns in Anspruch nehmen. Wir sind nicht alarmistisch, irgendwo republikanisch sachlicher. Und mir fällt das auf. Nicht nur für Deutschland. Das will ich gar nicht ... sondern auch allgemein für ..., England können Sie ja nehmen, ja. Das ist ja Hysterie da mit der Überwachung. Das ist Politik mit der Angst.

Videoüberwachung

Sl.: Großbritannien ist ja mittlerweile übersät mit 4,5 Millionen Überwachungskameras, die praktisch jeden Schritt eines Bürgers im öffentlichem Raum einfangen. Das hat es in der Geschichte politischer Systeme noch nie gegeben. Die gute Nachricht dabei ist: Es gibt nicht genug Personal, um die Bilder der Überwachungskameras auszuwerten, denn man bräuchte vier Millionen Beamte, um die hinter die Kameras zu setzen. Neun von zehn dieser Systeme laufen [leer?] und es gibt deswegen immerhin doch noch mehr Freiheiten als man gemeinhin annimmt. Aber was ist das für eine ... Sie sagen man macht Politik mit der Angst ...?

Me.: Ich glaube, dass wir in einer verunsicherten Situation leben. Und da[s] entdeckt natürlich jemand, der Politik machen will. Es sind in der Regel populistische Bewegungen, was ich aber .... nicht unterstelle. Es sind in der Regel populistische Bewegungen. Das ist ja ganz klar. Bei uns ja ganz stark. Nur ergreift es nicht die Mehrheit von 75%. Wir haben eine populistische Partei mit 25%. ... das ist schon ein Instrument.

Sc.: Ich glaube nicht, Herr Meyer, dass man Politik mit der Angst macht. Der Terrorismus ist eine reale Gefahr. Also, wenn Sie das sagen, dann ist Politik mit der Angst mit dem Hinweis auf Madrid oder London, auf vieles andere, auf Bali, auf Dscherba. Ich kann Ihnen die blutige Kette hier aufzählen. Das ist eine sehr reale Gefahr. Der 11. September ist nun wirklich noch in unser aller Gedächtnis. Und wenn man ein Amt innehat, wie das des Bundesinnenministers, oder wenn man Ämter zu versehen hat, wie die der Sicherheitsbehörden, dann muss man sich die Frage stellen, wie kann ich solche Ereignisse verhindern? Und dann können wir voller Stolz sein, es ist uns gelungen in den zurückliegenden Jahren, auch vor dem 11. September und nach dem 11. September, alle Planungen von terroristischen Aktionen, die auf deutschem Boden stattfinden sollten, zu verhindern. Und das kommt nicht von ungefähr. Das hat was damit zu tun, dass man Videoüberwachung einsetzt - was ist daran schlimm? Wir haben diese Kofferattentäter, die diese Koffer auf die Bahnhofsbahnsteige gestellt haben, über Videoüberwachung dann später identifizieren können. Wir haben über die Videoüberwachung erhebliche Erkenntnisse gewinnen können - da bin [ich?] also vorsichtig. Und die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch darauf, dass der Staat sich um ihre Sicherheit kümmert. Und da haben die Terroristen --

Me.: Aber das habe ich doch gar nicht bestritten ... doch, und "Politik mit der Angst", das ist so eine polemische Zuspitzung, und mit der Angst, hier: Videoüberwachung, [das] ist was ganz furchtbares.

Sc.: Nein! die Videoüberwachung ist heute notwendig. Ich bin nicht dafür, dass wir flächendeckend Videoüberwachung zulässig machen lassen. Aber an bestimmten Brennpunkten ist Videoüberwachung sehr vernünftig. Wir können überall Polizeibeamte hinstellen. Nur so viele Polizeibeamte ... niemand würde sich darüber aufregen.

Me.: Darf ich eine kleine Antwort geben?

Sc.: Bitteschön!

Politikstil

Me.: Ich hab nicht gesagt, dass die Politik, die gemacht wird, um diese Dinge zu verhindern, - ich bestreite natürlich gewisse Dinge. Sie waren im Unterschied zu Schäuble kein geschwätziger Innenminister, sondern ein sehr schweigsamer. Mir geht es darum, dass Politik gemacht wird, indem man diese Dinge in der Öffentlichkeit auswalzt, eine Rhetorik entwickelt. Ist ja völlig überflüssig. Wir wissen doch von Bali, wir wissen doch [von] Spanien, wir kennen diese Dinge. Es geht um das Instrument der Rhetorik.

Sc.: Ich bin von der Presse genauso gefragt worden wie Herr Schäuble, wie ich die Gefahr beurteile, und ich hab darüber Auskunft gegeben, wie ich die Gefahrenlage bewerte. Das ist ... das muss ein Innenminister, ob er immer etwas zu sagen hat, zu einem Thema, das muss jeder jeweils selber beurteilen.

Terror ist Risiko, keine Gefahr

Sl.: [Ich möchte] bei dem Begriff "reale Gefahr" einhaken. Denn ich glaube, dass wir da auf so ein philosophisch interessantes Gebiet kommen. Denn, wenn wir über die Terminologie der Gefahr sprechen, sprechen wir eine menschliche Ebene an, auf der tatsächlich Angst die Antwort ist. Der Terrorismus ist aber gar keine Gefahr, sondern ein Risiko.

Sc.: Keine Gefahr?

Sl.: Der Terrorismus ist keine Gefahr. Sondern es ist ein Risiko. Wenn Sie einem Terroristen gegenüberstehen, dann sind Sie in Gefahr. Weil zum Begriff der Gefahr gehört die reale Gegenwart des Bedrohens. Hier haben wir es mit einem Risiko zu tun - das ist diffus und baut auf ...

potentielle Gefahr

sc.: Da muss man schon sehr philosophisch sein, wie Sie, Herr Sloterdijk., um hier ... (Applaus)

sl.: (Aber) der Begriff ... (Unterbrechung durch sc.) ... wir müssen aber hier begriffliche ...

sc.: Für mich als praktischer Politiker ist das eine ganz reale Gefahr, die kann man dann wiederum differenzieren, wir sprechen manchmal von einer abstrakten Gefahr, wo noch sozusagen die Gefahr nicht vor Ort ist, noch nicht aktuell ist, wo wir noch keinen Plan haben, ja? Für uns sind Personen, die in al-Qaida-Lagern ausgebildet werden natürlich erstmal nur eine abstrakte Gefahr, aber sie können zu einer sehr realen Gefahr werden, wenn sie eine konkrete Planung haben. trotzdem bin ich dafür, dass wir auch denen auf die Finger hauen, die sich dort ausbilden lassen und nicht erst warten bis sie einen konkreten Plan fassen. aber das ist nur meine persönliche Auffassung dazu, aber wir können doch nicht sagen, das ist ein Risiko, das kann ich doch nicht beurteilen und mich versichern dagegen und sehen, ob ich mich versichere dagegen oder nicht.

Wahrscheinlichkeiten

sl.: Aber es ist doch so, dass wir - um einfach den Risikoaspekt gegenüber dem Gefahrenaspekt nochmal deutlich zu machen - ein Risiko ist also eine Wahrscheinlichkeit eines Unfalls oder eines Scheiterns, dass sich mit einem Zahlenausdruck beschreiben lässt.

sc.: Ja, die Versicherungen machen solche Kalkulationen.

sl.: Ja, die Versicherungen machen so etwas. Und die Wahrscheinlichkeit, einem terroristischen Anschlag zum Opfer zu fallen, ist um den Faktor Tausend oder Zehntausend geringer, als die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eines morgens in einem Zustand geistiger Desorganisation mit beiden Beinen in ein Hosenbein steigen, umfallen und nach drei Tagen kann der Arzt nur das Ableben des Patienten feststellen. (sc. also, das ist ...) das ist Risikoanalyse dessen, was in der Terminologie, in der Sprachform der Gefahr, als etwas dargestellt wird, was tausendmal, millionenmal größer ist, als es ist. Darf ich Ihnen ein anderes Beispiel geben: Als in der Zeit nach dem 11. September in den USA zahllose Menschen von dem Flugzeug aufs Auto umgestiegen sind, sind in den nächsten zwei Jahren so viel mehr Menschen auf den Straßen verunglückt, als in den Jahren zuvor.

sc.: Ja, von den Zahlenverhältnissen stimmt das ja alles. Wenn Sie die Zahl der Morde in Deutschland vergleichen mit der Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle, kommen Sie auf gleiche Zahlen. Nur: Sie werden doch wohl einem Innenminister abnehmen, dass, wenn er sagt, ich werde selbstverständlich dafür sorgen, dass möglichst jeder Mord aufgeklärt und noch viel mehr möglichst Morde verhindert werden. Und das kann er nicht sagen; dass, wenn wir einem tödlichen Verkehrsunfall uns auszusetzen; dass, wenn wir Autobahn fahren, dann können wir uns nicht sagen: Das andere ist uns jetzt nicht so wichtig, das können wir nicht machen und da ist die persönliche Freiheit dann irgendwie betroffen. (kurzer Applaus)

Freiheit und Sicherheit

sc.: Ohnehin, wir haben ja eine Sendung, die so ein bisschen im Titel uns suggeriert, es gäbe einen Gegensatz zwischen Freiheit und Sicherheit. Diesen Gegensatz sehe ich gar nicht. Sondern zunächst mal ist die Vorraussetzung für Freiheit Sicherheit. Sonst geht es nicht. Das hat schon Humboldt gesagt, das hab ich schon so oft zitiert, dass ich es selber fast nicht mehr hören kann. Also der Wilhelm von Humboldt war ja nun wahrlich kein Staatsfetischist. Alles andere, nicht? Der war eher abgeneigt gegenüber dem Staat zu viel Kompetenz zu geben, aber er hat gesagt: In der Kernverantwortung des Staates liegt es, die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Denn sonst können die nicht frei sein. Wenn ich ein freier Mensch sein will, dann muss ich frei von Bedrohung durch Terrorismus oder organisierte Kriminalität oder normale Kriminalität, wenn man die als normal bezeichnen kann. Wer vom Tode bedroht ist, wer erpresst wird, wessen Eigentum bedroht wird, der ist nicht frei. Also lassen wir doch diesen ... es gibt keinen echten Widerspruch ... wir müssen natürlich aufpassen, dass die Sicherheitsvorkehrungen, die der Staat trifft, nicht ein Maß erreichen, wo es sozusagen ein Übermaß wird und das wird dann einen bringen zu der Frage der Verhältnismässigkeit und der Frage sozusagen der Gestaltung. Aber diesen grundsätzlichen Gegensatz zwischen Sicherheit und Freiheit, den sehe ich nicht. Es gibt nämlich auch ein Bürgerrecht auf Sicherheit. Darauf haben die Menschen auch selbstverständlich einen Anspruch, dass der Staat dafür sorgt, dass sie sicher und in Frieden leben können. (Applaus)

Zu viel Sicherheit wird zu Unsicherheit

me.: Da muss man auch schauen, wer nimmt für sich in Anspruch zu bestimmen, wie weit diese Sicherheit gehen darf. Und dort beginnt die Kontrolle derjenigen, die das tun. Z.B. der Innenminister oder in einem ... System, in einer Demokratie und da finde ich schon - Sie haben gesagt, es darf nicht ein Übermaß geben, ich sage es noch deutlicher: Zu viel Sicherheit kann in eine Unsicherheit des Bürgers umkippen. Der Bürger kann unsicher werden gegenüber dem Staat. Der wird plötzlich derart massiv.

sc.: Da stimme ich Ihnen sogar zu, Herr Meyer. Und zwar, wenn wir heute ...

me.: Das diskutieren wir ja jetzt.

sc.: Wenn wir heute den Ausnahmezustand verhängen würden - haben wir ja nicht, wir sind nicht in einem Ausnahmezusatand - ich [bin] übrigens dagegen, dass wir die innerstaatliche Bekämpfung des Terrorismus militarisieren. Da treffen wir uns ja vielleicht. Aber wenn Sie zum Teil sehen, wie die Menschen Befürchtungen ausstreuen, darüber wie ... mal ein simples Beispiel: die Speicherung von Telefondaten.

Diese Telefondaten werden heute schon gespeichert. Zu Abrechnungszwecken. Niemand stört sich daran. Und selbstverständlich kann auf diese Daten, das sind ein paar Monate, kann im Zweifelsfalle die Polizei, die Ermittlungsbehörden zugreifen, wenn sie einen Verdächtigen hat. Da guckt sie auch nicht in alle Telefondaten hinein, sondern nur bei den Verdächtigen. Jetzt sagen wir [wir/sie? Objekt auf jeden Fall] brauchen diese Telefondaten für einen längeren Zeitraum vielleicht. Für ein halbes Jahr. Und da entsteht eine riesen Debatte, wir würden alle Telefondaten überwachen. Das ist eine völlig verzerrte Wahrnehmung.

me.: Herr Schily, wenn ich da nachhaken darf (sc. bitteschoen): Ist doch wunderbar, dass in Deutschland eine Debatte entsteht, weil der Staat überwacht. Sind wir Schweizer doch froh. Weil das war nicht immer so. Also das find ich ganz toll. Die Debatte ist in Ordnung. (Applaus) Warum beklagen Sie es dann? Ist doch wunderbar!

sc.: Die Debatte ist in Ordnung. Nur ich hinterfrage(?) die falsche Wahrnehmung, Herr Meyer. Das ist das Problem. Dass man sagt, wenn eine Verlängerung dieser Aufbewahrungszeit verfügt wird, das wäre die Überwachung aller Bürgerinnen und Bürger. Und das ist schlicht falsch!

me.: Das ist ja der Alarmismus. (sc. Das ist falsch) Der Alarmismus dient dem Durchsetzen von politischen Zielen. Das habe ich kritisiert.

sc.: Da ist aber der Alarmismus auf der andern Seite, nicht auf der Seite des Staates.

me.: Das ist die Form, Dinge durchzusetzen, indem man die Bürger, die sich dagegen wehren, kobatisiert. Das ist mir ein ganz wichtiger Punkt.

16:34 Begriff des Terrorismus

sf.: Ich möchte noch mal auf ein anderes Dilemma hinweisen. Der t.. das heisst ja, es werden Aktionen gemacht oder Aktionen angedroht und es soll über der Gesellscahft soll das Damoklesschwert einer Bedrohung hängen. Das das ist das strategische Kalkül des Terrorismus. Und wir sind nach meiner Meinung in einem objektiven Dilemma. Schrecken verbreiten tun die Terroristen mit ihren Aktionen und ihren Drohungen. Aber zu der Schreckensverbreitung gehören unfreiwillige Komplizen. Und die unfreiwilligen Komplizen sind natürlich hysterisierte Medien und sind natürlich auch, ist natürlich die Politik, die diffuse Bedrohungsszenarien immer (mal?) wieder, in den den Zeitungen können wir das immer mal wieder lesen, Bedrohungsszenarien der Öffentlichkeit vermittelt und da sag ich ihnen, Herr Schily, da funktioniert eine richtige Arbeitsteilung: Es gibt ein Kerngeschäft der Terroristen und es gibt eine diffuse Bereitschaft, diesen Schrecken unter Vorgabe sich dagegen schützen zu wollen, zu verbreiten.

Wirkungsgefüge Terrorismus

sc.: Herr Safranski, ich sehe das ganz anders, die Strategie der terroristischen Netzwerke hat einen ganz anderen Hintergrund. Das mag auch mit im Kalkül sein, wie auch Sie das beschrieben haben, aber die eigentliche Strategie terroristischer Netzwerke, wenn Sie das mal genau analysieren, ist den Staat als schwach hinzustellen, der nicht mehr in der Lage, ist seine Bürger zu beschützen. Das ist die eigentliche Strategie. Zu sagen: Guck mal, der Staat ist nicht mal in der Lage, seiner eigenen Kernaufgabe gerecht zu werden. Und wenn sie das erreichen, dann haben sie gewonnen. Und natürlich wollen sie auch die Gesellschaften destabilisieren. Sicher ist das Kalkül auch von Al Qaida, wenn sie Flugzeuge zum Absturz bringen, dass die Leute dann vielleicht den Flugverkehr nicht mehr in Anspruch nehmen. Sie haben aber gesehen: Demokratien sind relativ stabil. Das ist übrigens unsere große Stärke. Die Gelassenheit der Menschen. Und deshalb gibt es ja auch so ein Auf und Ab. Wenn ein Ereignis stattfindet, dann ist alles bereit auch zuzugestehen auch an Maßnahmen. Hat sich, ist das Gedächtnis etwas abgeklungen dann alle Welt sagt: Nein, das ist zu viel. Das sollten wir wieder abschaffen. Wir sollten uns da ein wenig Gleichmut und eine gewisse Gelassenheit angewöhnen, die, glaube ich, und in dem Punkt stimme ich zu, das ist kein Alarmismus, das ist keine Hysterie, aber das heißt nicht, dass wir (lacht), dass wir darauf verzichten, das Notwendige zu tun.

23:05

Medien

me.: Aber das war ja meine Rede. Die Dinge tun und nicht Alarmismus betreiben. Das trifft natürlich viel mehr die Medien als es z.B. Herrn Schäuble trifft. Die Medien, ich bin ja selber Journalist, da staune ich, wie die diese Dinge mitspielen. Nun sind wir in einer total medialisierten Welt. Manchmal möchte ich ... ich wage diese Provokation in diesem philosoph. Kontext! ... dass total, am totalitären, einen fast manchmal fast totalitär wie die Medien eine Wirkung entfalten, um solchem Alarmismus weitertragen und da frag ich mich meinem Beruf gegenüber: Ist das unsere Rolle? Ich glaube nicht. Aber wie kommen wir davon weg? Also das ist auch ...

Schily: unkritisierte Massnahmen

sc.: Nur der Alarmismus hat aber auch, Herr Meyer, diese zwei Seiten. Einmal sagt er also - diese Gefahr wird dann vielleicht aufgebauscht oder (me. Ja) ... also kann sein - aber umgekehrt gibt es auch, dass die Gefahr dieser staatlichen Maßnahmen aufgebauscht wird. Darum geht es mir ja gerade. Ich habe dieses Beispiel der TK-Daten genau genommen, aber niemand regt sich darüber auf, dass wir z.B. Kontoauszüge aufbewahren müssen. Das schreibt die Steuerbehörde vor, dass man die über Jahre ... selbstverständlich kann zur Aufklärung einer Wirtschaftsstraftat dann später, im Einzelfall, nur im Einzelfall, jemand hinein schauen. Aber niemand regt sich darüber auf. Und natürlich, nehmen wir an, es werden Finanzbeziehungen bei terroristischen Netzwerken in diesen Kontoauszügen nachvollziehbar, darf man da auch hineinschauen. Also ich finde nur, also da müssen wir aufpassen. Da oder wo es ... da heisst es "Wir setzen alle unter Generalverdacht" - tut kein Mensch! Ja, aber solche ... schauen Sie die Leitartikel mancher Zeitungen an. Da steht das drin: Generalverdacht. Das wird kein Generalverdacht. Ja?

Klima in der Bevölkerung

me.: Es geht ja nicht um ... es ist immer so. Die einzelne Maßnahme, wie Sie beschrieben haben. Da kann man folgendes sagen: Naja, hat der wohl Recht? Statt drei Wochen die Daten behalten, sechs Monate, was solls? Es geht darum, dass die Vernetzung dann passiert. Von all diesen Maßnahmen. Es gibt dann doch eine Veränderung des gesellschaftlichen Klimas. Ich überschau es nicht mehr als Bürger. Wenn ich es nicht mehr überschaue, wo ich drin hänge in diesem Netz, wird es mir unheimlich. Und dann kommt die Angst vor dem Staat. Ebenfalls vom, sagen wir, wachen Bürger. Und um den geht es ja. Ganz wichtig. Also da ist schon Vorsicht geboten zumal, zumal alle diese Sachen nicht unbedingt den Erfolg dann auch bringen, garantiert, nicht?

21:45

Bedrohung

s..? ich frage mich dann doch manchmal, Herr Schily, welchen Sinn es eigentlich hat immer wieder von der, von Politikern erklärt wird, da braut sich etwas zusammen. In dieser Art wird es ja unspezifisch. Wir sind im Fadenkreuz, heisst es und so weiter. Ich frage mich, was, was für einen Sinn soll das eigentlich haben? Sollen die Bürger nun aufgefordert werden (?? im bett zu bleiben), auf freistehende Gepäckstücke oder Koffer zu achten ... ich würde mal sagen


22:18

sl? Sie sagten vorher, der Terrorismus will sein strategisches Kalkül ist zu zeigen, dass der Staat die Sicherheit nicht mehr garantieren kann. Ich würde mal sagen, er will aber auch dieses diffuse Bedrohungsgefühl herstellen und er will dabei auch erreichen, dass, also, Freiheitselemente auch abgebaut werden. Das will er auch erreichen. Das will er auch erreichen.

Schily: Politikstil, Realität, Ehrlichkeit

sc.: Jetzt, Momentchen mal. Also, was heisst ... erstmal will ich Ihnen sagen, ich hab immer als Innenminister gesagt, wir leben in Deutschland in einem der sichersten Länder der Welt. Dank der guten Arbeit der Polizeien, in Bund und Ländern und der anderen Sicherheitsbehörden. Das erstmal vor die Klammer. Aber selbstverständlich muss ich auch den Menschen reinen Wein einschenken, dass wir nicht eine Insel der Seeligen sind, sondern dass wir auch Zielgebiet, ja, von terroristischen Netzwerken sind. Das muss ich tun. Ja, auch um zu erklären, das wir sehr viel Geld in die Hand nehmen. Das kostet ja auch sehr viel Geld. Ja? Wir haben die Tabaksteuer erhöht und deshalb steht auf den Zigarettenpackungen jetzt "Wer raucht, fördert die innere Sicherheit", weil die Gelder für die Tabaksteuer (heiteres Gelächter im Publikum) in den, in die Ausbau der Polizei gesteckt haben. Also, ich meine, es muss den Menschen erklären, warum wir das tun. Wir haben immer den Ton so gehalten, dass wir nicht in Alarmismus verfallen. Das nehm ich für mich in Anspruch. Was ... wir haben immer ganz ruhig über diese Dinge geredet. Aber jetzt, sagen Sie, wo waren die, wo werden die Freiheitsrechte abgebaut? Das möcht ich jetzt mal wirklich konkret von Ihnen wissen. Sagen Sie mir ein Beispiel, wo bei der Bekämpfung des Terrorismus in den letzten Jahren, also nehmen wir mal meine Verantworten, lassen Herrn Schäuble aussen vor, der sitzt hier ja nicht aufm Sofa, also ich sitz hier aufm Sofa. Bitte wo haben wir die Freiheitsrechte abgebaut? Bitte sagen Sie mir ein Beispiel.

Schily: Wo habe ich Freiheitsrechte eingeschränkt?

me.: Näh, äh ...

sc.: Sagen Sie mir ein einziges Beispiel! Dann bin ich bereit, darauf einzugehen.

me.: Ja, also ich würde immer sagen, denken Sie doch mal zurück an Heiligensee, ja? An die große Konferenz dort. Es wird ... wir bewegen uns auf einen Zustand zu ...

sc.: Da war ich nicht mehr im Amt! Also jetzt, lassen Sie mich bitte ...

me.: Es geht, ja, hehe ... es geht jetzt nicht...

sc.: Nennen Sie mir ein Beispiel aus meiner Zeit

me.: Ja, es geht auch nicht um Ihre direkte Verantwortung, sondern es geht um ein Symptom.

sc.: Aber wär mir schon sehr angenehm, weil ich weiss dann besonders gut Bescheid, Sie, sagen Sie mir ein Beispiel ...

G8

sl.: Aber ich finde der Hinweis auf Heiligensee hat schon etwas sehr symptomatisches, dass der Staat heute sich angewöhnt, den Bürger insgesamt eher eigentlich als Risikoquelle zu betrachten und ihn nach Möglichkeit hinter Sicherheitszäune wegzusperren, ja?

sl.: Also der Bürger hat sich ... früher hiess es, alle Gewalt geht vom Volke aus, und heute heisst es, alle Gefahr geht vom Bürger aus

sc.: Nein, nein, nein ... so ein Unsinn. (Gelächter im Publikum) sl. Alle Gefahr geht von dem noch nicht überwachten Bürger aus

sc. Nein, das ist doch, mein lieber Herr Sloterdijk, das ist doch Unsinn, was Sie da sagen ...

sl.: Da gibt es, da gibt es einen Strukturwandel ...

sc.: Sie müssen erstmal sehen ...

Schily: Gullideckel oder Bush

sc.: Bei der Erfassung von hohen Staatsträgern ... da kommt erstmal der amerikanische Präsident, der kommt mit seinen eigenen Sicherheitsüberlegungen. Wenn ein amerikanischer Präsident sich auf deutschen Boden begibt, dann kommen sie, dann werden hier die Gullis zugeschweisst. Ja?

sl.: Ja, eben. Das ist, das ist die paranoide ..., Entschuldigung, dass ist doch der Beweis, dass die Paranoia von Staats...

sc.: Entschuldigung, ... aber mein lieber Herr Sloterdijk, dann können wir sagen: der Präsident darf nicht zu uns kommen, weil er diese Vorkehrungen ... das ist 'ne ganz andere Geschichte.

me.: Wir reden doch, wir reden nicht über Ihre persönliche Politik, sondern über ein gesellschaftliches Phaenomen und versuchen, wenn die Gulli zugeschweisst werden, ist das ein gesellschaftliches Phaenomen. Ob das nun wegen Herrn Bush passiert oder nicht. Wir leben übrigens ...

sc.: Also ... manche berliner Gullis, wäre ganz gut, wenn die zugeschweisst sind, weil sie dermaßen stinken, aber sehen Sie, ich meine ... (Gelächter im Publikum)

me.: Schlechter Witz.

25:53

sc.: Aber jetzt lassen wirs mal nicht ... dass, ... ich kann da keine besondere Beschränkung von Freiheitsrechten sehen, dass da so ein hochrangiges Treffen stattfindet und dann sind militante Gegner, die sind übrigens nicht von Pappe sind, ja? Die nicht von Pappe sind. Und das die sich nicht mit Steinen beschmeissen lassen wollen, das muss man auch verstehen. Da ist vielleicht, grade durch diese scharfen Absperrmaßnahmen ist vielleicht der eine oder unangenehme Unfall vermieden worden, der sonst bei dem Zusammenstoss der Sicherheitsbehörden, ja . ... ja ..

Meyer: Abstraktheit

me.: Das ist ein wunderbarer Satz. Je mehr wir tun, könnte vielleicht eventuell etwas verhindert worden sein.

sc.: Ja, was hätten Sie ... frag ich doch mal zurück: Lieber Herr Meyer, was hätten Sie gemacht? Hätten Sie... (wirrwarr)

26:33

G8 und Militär

me.: Ganz einfach

sc.: Was denn?

me.: In der Schweiz wären jedenfalls nicht militärische ... also: Kampfflugzeuge sind hier eingesetzt worden, um Demonstranten, um die zu beobachten zu lassen ...ist doch absolut, absolut absurd. (Applaus) Ich weiss nicht, Sie haben gesagt, Herr Schäuble sitzt nicht hier. Ich habe das Gefühl, er sitzt hier. Also Sie, Sie waren da ja irgendwo zurückhaltender. Ähm, vielleicht nicht im Handeln. aber in der ... im Alarmismus. Ich brauch das nochmal.

sc.: Also wir müssen ja jetzt nicht über jede Maßnahme, darüber, diskutieren.

me.: Nein, wir wollen ja generell...über, über ... die Frage zunehmender...

sc.: Das, das .. aber, aber Sie können doch nicht sagen da, weil da eine Absperrung stattfindet bei einem solchem Treffen, deshalb sind die Freiheitsrechte der Menschen eingeschränkt. Das sehe ich nun wirklich nicht.

sf.: Aber Herr Schily.

sc.: Geben Sie mir bitte ein konkretes Beispiel, dann bin ich bereit darauf ...

sf.: Wir haben ja über Heiligensee gesprochen ...

sc.: Heiligendamm.

sf.: Äh, Heiligendamm, äh .. ja, ich bin ...

sc.: Hiddensee heisst der andere Ort.

Begriff Politiker

sf.: Heiligendamm, genau. Es, ich würde sogar die These aufstellen, dass die Wahrnehmung der Bedrohung durch die Politiker konstitutionell natürlich eine Andere ist, als von einem Bürger. Ein Politiker, der es gewöhnt ist, wenn er ein Spitzenpolitiker ist, also ständig auch bewacht zu werden, ne, das ist natürlich auch ihr Schicksal als Berufspolitiker im Amt bewacht zu werden, der erlebt natürlich die Wirklichkeit wirklich als eine einzige Gefahrenquelle. Das ist ...

sc: ... Naja, also lieber Herr Safranski, also.

sf.: Jaja, wenn man ...

sc. : Erstmal, wissen Sie, ich hab was gegen diesen Plural "die Politiker". Das gibt es nicht. Es gibt solche Politiker und solche. (Applaus) Und es gibt solche Philosophen und es gibt solche Philosophen. Nennen Sie die Namen von denen, von denen Sie meinen, das ist so. Und übrigens: Die Bürgerinnen und Bürger haben auch unterschiedliche Wahrnehmungen. Manche sind ängstlich und manche sind weniger ängstlich. Manche nehmen die Frage der Sicherheit sehr ernst, manche weniger. Das ist auch ganz verständlich. Hab ich ja auch nichts dagegen. Nur ich finde, wir sollten die Diskussion nicht verschieben.

28:38

Aufgabe des Staates

sc.: Der Staat muss für die Sicherheit sorgen, muss, sicher kein Übermaß. Vor allen Dingen, wenn es tatsächlich eine breite, also, ich nehm mal an, ein Beispiel, wo wir alle auch nicht verdächtig sind, aber alle Adressat von Sicherheitsmaßnahmen sind. Wenn wir nämlich in ein Flugzeug hineingehn.

28:51

28:51

sc. : Da können wir sagen, das stört uns, das ist uns unangenehm, gibt diesen wunderbaren Film von Loriot, wie er abgetastet werden soll, und er ist sehr kitzelig, flieht dann sofort. So, also, bitte. Dies kann man sagen ... aber wir hatten die Erfahrung vorher gemacht, dass, als man das nicht gemacht hat, dass da einige Flugzeuge gekapert wurden und das mit entsprechenden Folgen. Inzwischen ist das ... hat glaub ich niemand was dagegen.

?.: Ja, doch.

sc.: Was? Doch?

?. : Es gibt immer noch eine große Unruhe, an den Warteschlangen bei den ...

sc.: Ja, gut. da kann man bei den einzelnen Maßnahmen auch diskutieren, ob man nun, also, also wieviel Kubikzentimeter darf also, ... ja?

?.: ... darf eine Nagelschere sein, damit ...

sc.: Jaa, richtig. Da geb ich Ihnen ja recht. Da kann man es auch übertreiben. Gut, darüber kann man reden. Das ist eine Frage der Quantität dessen, des Eingriffs, nicht? und der Intensität des Eingriffs. Aber über die Maßnahme als solche wird von niemanden mehr in Zweifel gezogen. Oder? Wollen Sie es abschaffen?

sl.: Aber meinen Sie nicht, Herr Schily, dass es so einen eigenartigen Mechanismus gibt, dass, je mehr Vorsorge wir treffen im Sinne von Sicherheitsherstellung, um so mehr Bedrohung erzeugen wir gleichzeitig mit. Es ist ja nicht so, dass eine Beruhigung in den letzten Jahren eingetreten ist, sondern durch die Verstärkung von Sicherheitsmaßnahmen - das ist ne Dialektik, kann man das nennen, durch Verstärkung von Sicherheitsmaßnahmen entstehen immer wieder neue Bedrohungssituationen. Wir kennen das aus dem alltäglichen Leben. Je mehr man eine Rundumversicherung macht, umso mehr ist man auch ständig damit konfrontiert, welche Gefahrenquellen es gibt. Leben ...

sc. : Hab ich ga..., ich kann nicht erkennen, dass durch die, das durch die Gepäckkontrollen, also die Bedrohung grösser geworden ist bei Flugzeugkatas ... ich kann das nicht erkennen! Ähm, wir haben übrigens bei bestimmten Maßnahmen (sl. das gefuehl) , die wir nach dem 11. September ... das Gefühl. das Gefühl, ja ... gut ... aber der 11. September, sehen Sie, wir haben aus den Gesetzen ja zum Teil auch sogenannte Sunsetlaws gemacht. Das heisst, dass ... wir haben die, die Gesetze zeitlich befristet. Und gesagt: Gut, wir machen diese Gesetze aufgrund einer Gefahrenbeurteilung. Einer aktuellen Gefahrenbeurteilung. Und werden nach fünf Jahren ... wenn sich eine andere Beurteilung ergibt, sind wir bereit, sie auch wieder zu verändern. Das find ich auch eine vernünftige Maßnahme. Aber leider muss ich sagen, hat sich die Bedrohung nun leider nicht verringert, sondern eher wahrscheinlich sogar vergrössert, weil wir feststellen, dass es sozusagen Krebs ... wie ein Krebsgeschwür, dieser Terrorismus sich entwickelt mit unabhängigen Zellen, die gar nicht mehr gesteuert sind ... also dieses so genannte Homegrown ... also, äh äh ... der eigenen Gesellschaft sich herausbildende terroristischen Netzwerke uns natürlich auch grosses Kopfzerbrechen macht. Versetzen Sie sich doch mal in die Lage eines, eines ähm ... Präsidenten des Bundeskriminalamtes. Wir sind in einer freien Gesellschaft. Wir leben in der freiesten Gesellschaft, die es je auf ... in Deutschland gegeben hat. Mit Freizügigkeit durch ganz Europa. Keine Grenzkontrollen mehr. Ja, müssen wir nicht ein bisschen was dem entgegensetzen? Wenn Sie das Schengensystem ... das ist ja das Schengensystem, das hat ja diese Freizügigkeit herbeigeführt. Da haben wir immer gesagt, die Kompensation muss dazu sein, dass wir auch auf Seiten der Sicherheitsbehörden bestimmte Kontrollbefugnisse entwickeln, die es uns ermöglicht, die zu fangen und denen Herr zu werden, die diese Freizüglichkeit zu terroristischen oder kriminellen Zwecken nutzen. Und das ist vernünftig.

32:29

sl.: Sie sprechen ein wenig herablassend über, äh, Gefühle. Ich glaube, ...

sc.: Nein, nein, ...

sl.: Da haben Sie sich vielleicht...

32:29

sl. sie sprechen ein wenig herablassend ueber, aeh, gefuehle. ich glaube, ... sc. nein, nein, .. dann haben sie mich ... sl. da haben sie sich fal ... sc. nehm ich sofort zurück sl. ... unfreiwillig artikuliert, dann ... wir wollen ja grad hier in dieser runde solche feinstofflichen atmosphärischen veränderungen des demokratischen lebensraumes auskunden. daher auch von ihrer präsenz profitieren. wir haben jetz sozusagen ein sehr temparamentvollen anwalt der bürgersicherheit gehört, ja? sc. und zugleich der freiheit

Gegenkraefte in der Demokratie

sl. äh ... ja, da sind wir nicht so alle ganz ... sc. zwei seiten der medaille, das sind zwei seiten der medaille me. es ist dieser anwalt ... bleiben sie doch anwalt der bürgersicherheit. also mir sind politiker dann noch unheimlicher, wenn sie sagen "gleichzeitig bin ich das und das auch noch" in der demokratie bedarf es dringend der gegenkraefte. wenn sie minister sind braucht es die schilys auf der andern seite, der sie ja mal waren. sie haben ja gar nie, sie waren, sind ja gar keine Renegard(?) wie dumme leute sagen. sie haben jedenfalls in ihrem leben die rolle die sie spielten und die zur demokratie gehoert immer rigeros gespielt. sc. richtig. me. und sie haben gegen, als anwalt, gegen die staatsmacht gekämpft. in heikelster situation. drum haben sie auch kobaltetisiert (?) ... da haben sie gesagt "das ist ja einer von denen" das kenn sie ja wunderbar. sc. .. ich habe den staat nie das recht, bestritten dabei ... me. ja, nee. aber wofür plädier ich? sc. auf rechtstaatliche verfahren. me. ich plädiere, ... unterbrechung ---, herr schily, darf ich weitermachen? ich plädiere dafür, dass die gegenkräfte sich mit ihnen oder jetz mit schäuble oder mit der bundesregierung, auseinandersetzen. und nicht die regierung auch noch vorgibt "wir waren auch noch die freiheit". nein, es braucht die offene, es braucht die ganz offene debatte. es braucht die offene debatte in einem system der gewaltenteilung. und das scheint mir ganz ganz wichtig. wir habens ja alle erlebt bei cicero ... äh, da ... sie sind nicht der schuldige, das sag ich hier. ich habe ihnen nie einen vorwurf gemacht, aber dieser übergriff auf unsere redaktion, wurde dann - ich glaube es heisst bundesverfassungsgericht - ab, .. also zurückgewiesen. wie auch immer man das sehen kann, aus der rolle des innnenminsiters, der die ermächtigung gab, was ganz normal war. wie also immer das gesehen wird, es gab eine gegenkaft und um diese gegenkräfte geht es. und die müssen auch medial vorhanden sein. und die müssen auch oppositionell vorhanden sein. zum beispiel fehlt mir die starke stimme der fdp im parlament. es fehlt mir völlig eine partei, die voller kraft mal gegen diese dinge anrennt, damit man das richtige maß wahrt. oder findet. ... das is das wichtige. 35:15 sc. also ich kann ihnen soweit zu ... herr meyer, wir brauchen natuerlich kontrollmechanismen, wir brauchen ne freie presse, wir brauchen das ... die gerichtsbarkeit, wir brauchen das bverfg, halte das urteil im fall des ciceros für falsch, aber das is auch mein gutes recht, (me. genau), ich mache von meinem freien meinungsaeusserungsrecht gebraucht, und natuerlich sind journalisten auch nicht ausserhalb der rechtsordnung, das is auch ne frage. aber die wolln wir jetz nicht diskutieren. also, aber ... jetz sozusagen den start zu m.., nur zu sagen, oder auch ein oder auch die politik zu sagen "du bist nur fuer die sicherheit" oder "du bist nur gegen die .." oder "du bist sozusagen nur die anthagonistische gegensatz zur freiheit" nehm ich nicht an. diese rolle nehme ich nicht an. ich habe mir immer, ich habe immer auch als innenminister gesagt selbstverstaendlic hwahre ich die rechte des einzeln und wissen sie wo das schoen ist, verankert ist, is im grundgestez. wir haben das ... die beste verfassung der geschichte der bundesrepublik. und die faengt damit an, dass wir dem artikel eins die wuerde des menschen als hoechsten wert anerkennen. und was steht da drin? der staat muss die wuerde des menschen achten. das heisst, er muss die grenze achten zu dem individuum, er macht sie nicht zum objekt, er is nicht, wie der totalitaere oder der absolutistische staat und sacht "is das mein eigentum, ich kann darueber verfuegen" - nein, er achtet die wuerde des individuum. nur, es steht ein zweiter satz, der wird haeufig ueberlesen, ich kann das immer wiederholen: da steht naemlich auch "der staat is in der verantwortung die wuerde des menschen zu schuetzen". das steht auch im artikel 1. und das sind die beiden aufgaben, die der staat hat. also isser immer auch der anwalt der freiheit ... er muss naemlich immer auch die wuerde achten. me. ... des staates! ... aber der staat ist nicht die regierung sc. ... er ist auch, er ist aber auch ... was? nein, nein! natuerlich nicht! me. davon red ich. sc. nein, das is sicher nicht richtig. das bild ich mir nicht ein. soweit geht ja mein selbstbewusstsein nicht. (amuesierte heiterkeit im publikum) me. aber diese ...

Der Mensch in der Moderne

sl. aber lass uns nochmal zurueck kehren zu dem sensitiven punkt von vorhin. sie haben so ihre etwas herablassende bemerkung ueber gefuehle zurueckgenommen, aber man sollte dafuer vielleicht noch, vielleicht noch eine fussnote anschliessen. es ist doch eine der tatsachen - und ich glaube da muessen wir den psychologischen fokus etwas verbreitern: die menschen sind in ihrer grossen mehrheit mit ihrer nervlichen intellektuellen ausruestung nicht wirklich ganz in der moderne angekommen. das heisst, deswegen sind stimmungen - darueber diskutieren wir ja auch - so etwas, das plasma aus dem die politische wirklichkeit erzeug wird. sc. das is stimmt. sl. sie (zu schily) modellieren reale aus einem, einer gemengelage aus stimmungen und informationen heraus, sie tun das, jeder tut das. auf seine weise. wir sind alle sozusagen redakteure

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Hilf mit, indem Du das OGG ca. ab Minute 30 weiter abtippst! Korrigieren wird das schon wer anderes :)

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notizen

j. kampfflugzeuge fuer camps absrud

saf.

sc. nicht "die politiker" sagen sc. versch. wahrnehmung von aengste sc. staat muss fuer sicherheit sorgen sc. zB in ein flugzeug reingehen, kontrolle sl. doch widerstand, da lange schlange

saf.

sc. zeitl. befristung (sunset laws) sc. dezentraler terrorismus, homegrown sc. freiste gesellschaft denn je in .de sc. schengen hat freiheit -> bestimmte kontrollbefugnisse der behoerden, um sicherheit

sl.

j. sc. soll anwalt der beurgersicherheit j. sc war anwalt gegen die staatsmacht sc. ich war fuer rechtstaatliche verfahren j. gegenkraefte setzen sich mit regierung und schaeuble auseinander j. es braucht die offene debatte in sys. der gewaltenteilung j. cicero und bverfg j. geht um diese gegenkraefte - muss vorhanden sein (kraft der fdp fehlt) sc. brauchen kontrolle, gerichtsbarkeit, (rechtsstaat), journalisten nicht ausserhalb der rechtsordnung sc. einem staat zu sagen er sei nur fuer die sicherheit, die rolle nimmt er nicht an sc. selbstredend vertritt der die rechte der einzelnen sc. beste verfassung in der brd, aktuell, art. 1 sc. staat anwalt der freiheit und auch der ... (nicht ausgeredet)

sl. menschen sind mit phil ausruestung nicht in der moderen angekommen. schwingenen, plasma der wirklichkeit, modulieren das reale aus gemengenlage aus stimmungen runter. hirne nicht in moderne angekommen. psyche, unter subkorti, nur gefahr. sl. welt der gefahr oder entwarnung. staat (vertreten durch buergerantwalte) ueberetzt risken ind sprache der gefahr. gefuehlspolitik. sl. 1. summarisch zunehmen hypochondrisiert, massenhaft. sl. 2. hysterisiert, systematisch. sl. 3. permanent schleichend zunehmende paranoidisierung (im verbrecherhirn des andren denken) sl. computerfachmann: nur paranoiker ueberleben. sl. sc. is fuer sein amt paranoid genug sc. ... sc. kein dialog zw. genen, phil muss wissenschaft reflektieren! sl. nein, alarm ja, aber nicht im falschen alarm leben sc. f. sein buch ueber romantik, fazit: phantasie an die macht is fuer den staat nicht so ganz. f. staatl. seits zu viel berdrohungsphantasie an der macht. mehr gelassenheit! f. akzeptiert: es wird immer verruecke geben koennen. wie mit verbrechern, so auch damit. f. staat sollte sicherheit bewusst hysterisierende momente vermeidet (eigeneartige verklammerung politik mit medien, ganz fatal)

...

sc. gelassenheit koennen sie politik nicht absprechen. schorder, aaa in frankfurt, woanders? nein, ins rl zurueck, gefahren ... aussetzten, aber reiner wein! keine zahlen! wirtschaftl., psychl. wirkungen beruecksichtigen, mehr als toetung. sc an sl.: einzelne vorwuerfe treffen zu, zu j?.: ja. ich bin auf ihrer seite, ja, laass und diskutieren,gesellschat und so j.: angst is unserer generation nicht neu, siehe atomkrieg ... j. habe garnicht gesagt "sie bedienen sich" ... .ch ... j. lust am alarmismus, typ. deutsch unterschwellig

sl. these: hoerer bekommt gefuehl, dass es auf diesem gebiet der sicherheit ein weit. auseinadnerklaffen von warhnehmun, grab zw. gefuehlter und statistischer sicherheit sc. alte weisheit

literatur sal? michael hampe. macht des zufalls. kluger umgang mit zufaellen

sl. die teile karriere der illusion. wolfgang sofzki. ...