Sutter/Charlton

Timmann Sutter / Michael Charlton. Medienkompetenz - einige Anmerkungen zum Kpmetenzbegriff. In: Norbert Groeben, Bettina Hurrelmann (Hg.). Medienkompetenz. Vorraussetzungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim:Juventa, 2002:129-147

Zusammenfassung

Die Autoren zeichnen die Entwicklung des Begriffs "Kompetenz" von der Sprachforschung, der Entwicklungspsychologie bis hin zur Verwendung im sozialwissenschaftlichen Kontext nach. Hierbei beziehen sie sich zunächst auf Chomsky und dessen Unterteilung von Kompetenz (Kenntnis) und Performanz (Gebrauch) sowie seinem Konzept sprachlicher Universalien. Anschließend verweisen sie auf Piagets Modell kognitiver Entwicklungsstufen, das einerseits konstruktivistische (Auseinandersetzung mit der Umwelt) Züge enthält, zum anderen aber statisch in der Abfolge der Entwicklungsstufen bleibt. Abschließend verweisen sie auf Habermas, für den Kompetenzen in sozialer Interaktion erworben werden. Hieraus folgernd lassen sich Entwicklungen aus Stufen der komunikativen Kompetenz ableiten; diese gilt somit als allgemeine Grundkompetenz.

Gesamtkritik: Lernergebnisse und vorhandene Kompetenzen sind nicht schwer erfassbar, soweit sie sich nicht explizit ausdrücken, trotzdem bleibt das Lernen selbst beobachtbar. Sie fordern dementsprechend eine Erweiterung des Begriffs "Medienkompetenz", der sich nicht nur an den Lernergebnissen orientiert, sondern den Aneignungskontext stärker berücksichtig (siehe unten).

Für den Praxisteil greifen sie zum einen auf ein klassiches Experten-Novizen-Konstellation sowie auf situatives Lernen (Fernsehen mit Mama) zurück. Nun ja.

Zitate

139 "Im Rahmen dieser Strukturanalysen bleibt der Begriff der Medienkompetenz jedoch auf Entwicklungsresultate und die Fähigkeiten des individuellen Umgangs von Subjekten mit Medienangeboten beschränkt. Dieser Bereich muß durch Untersuchungen des Verlaufs von Rezeptions- (vgl.Charlton&Neumann-Braun, 1992) und kommunikativen Aneignungsprozessen von Medienangeboten ergänzt werden (vgl. Buckingham, 1993; Sutter, 2002). Die Frage, wie die Teilnahme an der Interaktionen, die den Mediengebracuh begleiten bzw. an ihn anschließen, die subjektive Verarbeitung von Medienangeboten beeinflusst, weist über den Begriff der Medienkompetenz hinaus."

139f. "

  • Der Kompetenzbereich "Medien verstehen" erfordert u.a. sprachliches, formallogisches und sozialkognitives Regelwissen zur Rekonstruktion der medialen Sinnstrukturen.
  • Der Kompetenzbereich "Medien beherrschen" erfordert u.a. die Fähigkeit zum lesen und Schreiben, Technisches Wissen, die Fähigkeit zur Bedienung von Hardware und Software.
  • Der Komeptenzbereich "Medien verwenden" erfordert u.a. alltagspsychologisches Wissen z.B. über die Möglichkeit der Selbststeuerung.
  • Der Kompetenzbereich "Medien gestalten" erfordert u.a. ästhetisches Empfinden, die Beherrschung von Gestaltungstechniken (media design), aber auch - wie das Medienverständnis - sprachliches, formallogisches und sozialkognitives Regelwissen zur Erzeugung von sinnhaften Aussagen.
  • Der Kompetenzbereich "Medien bewerten" erfordert u.a. normatives Wissen über gesellschaftliche Wertvorstellungen, aber auch sozialkognitive Denkoperationen (i.S. von Selman und Kohlberg)