Fahndungsplakat v0.3

Auf dem Fahndungsplakat des CCCs werden Datenschnüffler und Überwachungstäter aus Politik wie Industrie gesucht, die per Gesetz und Firmenphilosphie die Privatsphären vieler Menschen verletzen.

"Werden diese Personen in ihrem Handeln gehindert, werden wir hoffentlich belohnt mit dem Recht auf etwas weniger eingeschränkte informationelle Selbstbestimmung und dem gelegentlichen Schutz unserer Privatsphären."

Ein Großteil der physischen Auflage des Fahndungsplakates findet sich im CCC Berlin und in anderen ERFA-Kreisen des CCCs. Es ist im Shop bestellbar. Die erschienen Fahndungsplakate finden sich weiter unten auf dieser Seite als Bitmap und PDF.

v0.5: Kandidaten gesucht

Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement für den Hartz IV-Antrag

Über das Vermögen der "Bedarfsgemeinschaft" müssen privateste Angaben gemacht werden. Arbeitgeberinnen erfahren zwangsläufig vom Beziehungsstatus - und auch von der Hilfsbedürftigkeit ihrer Angestellten; zudem werden die Daten an andere Institutionen weitergegeben.

Justizministerin Brigitte Zypries

Das Ministerium hat die Bedingungen für die DNA-Analyse geändert: Nicht nur Schwerkriminelle müssen heute Speichel lassen, jetzt sind auch diejenigen dran, die eine leichte Straftat wiederholt haben. Der Richtervorbehalt für die Analysen von Spuren verfällt.

Britischer Innenminister Charles Clarke (wetter)

Unternehmen wie Telefon- und Internetanbieter sollen nach seiner Vorstellung dazu verpflichtet werden, Daten über Festnetz-, Handy- und E-Mailverkehr über ein Jahr zu speichern. Polizei und Geheimdiensten soll nach Clarkes Wunsch per EU-Richtlinie sofort ersichtlich sein, wer wann mit wem kommuniziert hat.

Bundesfinanzminister Hans Eichel

Im April wurde durch das Finanzministerium das Bankgeheimnis teilweise aufgehoben: Das "Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit" bemächtigt Finanzbehörden und Arbeitsämter, auf die Stammdaten sämtlicher Konten und Depots aller Bürgerinnen und Bürger zugreifen.

Den Bundesinnenminister für sein Lebenswerk Otto Schily (wetter)

Er möchte die Erfassung von DNA-Mustern bei der erkennungsdienstlichen Behandlung obligatorisch machen, führte den biometrisch-elektronischen Reisepaß in der EU ein, wandelte den Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei um und stellte die Pressefreiheit - zuletzt im Rahmen der Cicero-Affäre - in Frage.

  • Foto: Das mit dem Knueppel

Den Weltfußballverband FIFA - Joseph Blatter

Wollte man an der Ticketauslosung für die WM 2006 auch nur teilnehmen, mussten Personalausweis-, Telefon- und Kreditkartennummer angegeben werden. Viele Fußballfans bekamen statt der ersehnten Karte - diese übrigens mit integriertem Funkchip - dann aber nur Werbung, da die FIFA die Daten auch noch anderweitig verwendete.

Günther Beckstein, Karl Heinz Gasser und Ingo Wolf / Innenminister von Bayern, Thüringen und NRW

In diesen Ländern arbeiteten die Datenbanken zur Verwaltung von Personen, die in Ermittlungsverfahren verwickelt sind, mit zweifelhaften Methoden: Ähnlich wie die "Rosa Listen" in der Zeit des "Dritten Reichs" boten die Datenbanken der Polizei Informationen darüber, ob Opfer, Zeuginnen und Verdächtige homosexuell sind. Ihre Treffpunkte gelten als potentielle Tatorte.

Anette Schavan / Kultusministerin Baden-Würtemberg

In Baden-Württemberg wird man schnell mal als "linksextrem" eingestuft. Wer dann noch Lehrer werden will, muss seine Träume möglicherweise begraben: Das Kultusministerium verweigerte einem Lehramtsbewerber aufgrund seiner Mitgliedschaft bei einer antifaschistischen Initiative die Anstellung.

Raus

Der niederländische Geheimdienst NSO

Ein neuer Horchposten in Burum/Niederlande (Friesland) soll die Satellitenkommunikation mit dem "gesamten Emailverkehr" belauschen. Die niederländischen Geheimdienste dürfen von sich aus ohne richterliche Genehmigung die gesamte drahtlose Kommunikation abhören, also auch die der eigenen Bürger. Einschränkungen bestehen lediglich beim Lauschen von Kommunikation, die durch Kabel geht. (Formulierung aus Telepolis-Artikel kopiert)

American Express

Bei der Telefonhotline kann auch bei Beratungsgesprächen die Telefonaufzeichnung nicht abgestellt werden. Die Hotline kennt auch den Begriff "Datenschutzbeauftragter" bei Nachfrage beim Supervisor nicht. Einfach ausprobieren : 069 9508-6301. (Apple wohl auch nicht.)

Die CDU Vorsitzende Angela Merkel

für die Forderung nach Bundeswehreinsätze im Inneren [1]

Bundestagswahl2005-Fahndungs-eCard

In den letzten Tag vor der Wahl macht eine "Fahndungs-eCard" auf unseren kommenden Innenminister aufmerksam. Egal, ob Otto Schily oder Günther Beckstein den Posten einnimmt, Bürgerrechte, wie der Schutz der Privatsphäre und der persönlichen Kommunikation, beabsichtigen beide durch ihre Sicherheitspolitik einzuschränken: Die Speicherung von und der Zugriff auf Telekommunikationsdaten, Internet oder Telefon, soll ausgeweitet. Ebenso begrüßen die beiden die Einführung biometrischer Merkmale in Personaldokumente und in der Kriminalitätsbekämpfung.


v0.4: Oktober 2004

Parallel oder zu den BigBrotherAwards 2004 wurde am 29. Oktober die vierte Version veröffentlicht: Unter anderem mit Ulla Schmidts Gesundheitskarte, den verräterischen Farbkopierern von Canon und niveauvoller Lobbyarbeit auf EU-Ebene zu Lasten des immer gläserner werdenen Musikhörers.

Versions-Nummerierung: Das diskordische Zahlensystem wurde nun umgesetzt: die v0.4 ist natürlich erst die dritte Druckfassung. Die vorherige ist auf dem Plakat auch dementsprechend als v0.3 gekennzeichnet, wurde im Netz aber als v0.2 veröffentlicht. Die - von heute betrachtet - v0.1 hatte ursprünglich keine Versionsnummer und die eigentliche v0.2 ist in den Weiten der Bits verschollen ...

weitere Gesuchte

Folgende Kandidaten haben es nicht aufs Plakat geschafft:

  • DRM: Steve Jobs, Apple: Der "iTunes Music Store" wird als lang ersehnter Meilenstein für die Vergütung von Musik im Internet gefeiert. Auch, wenn es nur wenig Restriktionen für die heruntergeladenen Songs gibt, gewöhnt Steve Jobs den immer gläserner werdenden Musikfreund an digitale Kopierschutztechniken und das Gefühl, jemand interessiere sich für seinen Musikgeschmack.
  • Payback-Karte: Alexander Rittweger, Geschäftsführer Loyalty Partner GmbH: Die Packback-Karte lockt mit Prozenten und Bonuspunkten über 25 Millionen Deutsche dazu, ihre persönlichen Interessen und Kaufgewohnheiten preiszugeben. Wer anonym bleiben möchte, muss im Ganzen drauf zahlen. Der Bonus für die anderen: Maßgeschneiderte Sonderangebote und der dazu passende Bankkredit.
  • Überwachungskameras: Hartmut Mehdorn, Deutsche Bahn: Die Bahn installiert auf ihren Bahnhöfen vermehrt Überwachungskameras. Zeitgleich werden Bahnhofsschalter durch Fahrkartenautomaten ersetzt, die häufig nur noch EC-Karten und kein Bargeld mehr annehmen. Dem Kunden bleibt dabei ungewiss, ob die Bilder an BGS, Polizei oder Bahnschutz übermittelt werden und er überhaupt noch anonym reisen kann.
  • Telefonnummer-Inverssuche: TKG, klickTel/klickSearch: / Für nur 14,99 ist es möglich Informationen über die Kaufkraft und Zahlungsmoral der Deutschen zu erfahren. Eine einfache Suche nach Straßennahmen und Nummern gibt eine schnelle Auskunft über die Liquidität dieses Straßenblockes. Einfache Bürger werden dort Teilweise Pauschal abgestempelt nur weil sie in dieser Straße wohnen. Dies kann auf viele Bürger ungerechtfertigt ein falsches Bild werfen. Des weiteren sollten solche Informationen nur Firmen (wenn überhaupt) vorbehalten werden und nicht jedem zugänglich gemacht werden.
  • Günter Beckstein: Netzdiskriminierung für Ausländer: Beckstein sagte im April 2004 im ZDF (lt. Posting auf debate@lists.ccc.de): "Man muss sich dann halt überlegen, ob man da Restriktionen [für verdächtige Ausländer] einführt. Man muss den Aufenthaltsort begrenzen. Diese Person muss sich dann einmal täglich bei der Polizei melden. Und auch darf er auch nicht im Internet verschlüsselt kommunizieren." Schily sitzt daneben und nickt ... Bei der Verschlüsselung bemerkt er: "Na, ob wir das alles sowieso überwachen können ..."

v0.3 Dezember 2003

Mit Schönbohms Fußfesseln für Schulschwänzer, dem Botschafter der USA und der Neugierde seines Landes, wissen zu wollen, was ich esse und einem Chip, der uns alle kontrollieren soll u.a.

v0.2 Sommer 2003 (nicht erschienen)

Aus Gründen der Verpeilheit des Dunstkreises ging eine Auflage nicht in den Druck und war schnell wieder überholt. Noch ist sie verschollen ...

v0.1 Dezember 2002